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Abstract

Bren­tel, I. & Lücken, C. F. (2018, 10.05.). „Digi­ta­le Gesell­schaft“: Vor­stel­lung der För­der­li­ni­en Gra­du­ier­ten­kol­leg und Nach­wuchs­for­scher­grup­pen – Tan­dem 1: Ange­bots- und Publi­kums­frag­men­tie­rung online.
63. Jah­res­ta­gung der DGPuK „Selbst­be­stim­mung in der digi­ta­len Welt“, Deut­sche Gesell­schaft für Publi­zis­tik und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft (DGPuK). Uni­ver­si­tät Mann­heim, Mann­heim. [Tan­dem 1]

Übersicht/Ziele des Gesamt­pro­jek­tes (2017–2022)

Wie nur weni­ge glo­ba­le Ver­än­de­run­gen haben die Digi­ta­li­sie­rung und das Inter­net indi­vi­du­el­le, sozia­le und poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Hand­lungs­for­men ver­än­dert. Sicht­bar wird die neue Rol­le digi­ta­ler Medi­en in viel­fäl­ti­gen Kon­tex­ten. Zen­tra­les Merk­mal der Digi­ta­li­sie­rung ist die zuneh­men­de Ubi­qui­tät digi­ta­ler Struk­tu­ren in allen Berei­chen und auf allen Ebe­nen der Gesell­schaft. Gleich­zei­tig­keit, räum­li­che All­ge­gen­wär­tig­keit, Dis­lo­ka­li­tät und Mul­ti­me­di­a­li­tät. Die Nut­zung digi­ta­ler Medi­en und digi­ta­ler Tech­no­lo­gien ist kein exklu­si­ves Ereig­nis mehr, son­dern durch­zieht all­täg­li­ches Han­deln. Die Inte­gra­ti­on der Medi­en in den All­tag im Sin­ne einer „Media­ti­sie­rung der Gesell­schaft“ ist ein Ver­weis auf die gesell­schaft­li­che Durch­drin­gung nahe­zu aller Lebens­be­rei­che durch Medi­en. Die­se Deu­tung beruht auf der Beob­ach­tung, dass digi­ta­le Medi­en und ihre viel­fäl­ti­gen Nut­zungs­kon­tex­te den All­tag in all sei­nen Facet­ten bestim­men kön­nen. Betrach­tet man die­se mas­si­ven Ver­än­de­run­gen so stellt sich kon­se­quen­ter­wei­se die Fra­ge, wie die Digi­ta­li­sie­rung Gesellschaft(en) verändert.

Die in der For­schungs­grup­pe „Digi­ta­le Gesell­schaft“ zusam­men geschlos­se­nen Pro­jek­te fol­gen dabei der grund­le­gen­den Prä­mis­se, dass Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­se sowohl Poli­tik, Wirt­schaft, Kul­tur und Wis­sen­schaft, aber auch den Men­schen selbst in sei­nem sozia­len Umfeld ver­än­dern. Mit die­ser Grund­prä­mis­se wird Digi­ta­li­sie­rung als „Meta­pro­zes­se sozia­len Wan­dels“ (Krotz 2007) kon­zi­piert, der ver­gleich­bar mit Indus­tria­li­sie­rung oder Glo­ba­li­sie­rung als Ele­ment eines unauf­halt­sa­men gesell­schaft­li­chen Wan­del­pro­zes­ses ver­stan­den wird. Durch die­sen Ansatz ergibt sich ein viel­fäl­ti­ges, inter- und trans­dis­zi­pli­nä­res For­schungs­feld, das nicht nur unter wis­sen­schaft­li­chen, son­dern auch demo­kra­tie­theo­re­ti­schen Gesichts­punk­ten rele­vant ist, da der digi­ta­le Wan­del ein Struk­tur­wan­del ist, der alle Gesell­schafts- und Lebens­be­rei­che beein­flusst. Er zeigt sich in neu­en Wirt­schafts­bran­chen und Geschäfts­mo­del­len, aber auch in der Art wie Men­schen mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, ler­nen, arbei­ten und mit­ein­an­der leben. Die mas­si­ven Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se, die sich aktu­ell in nahe­zu allen gesell­schaft­li­chen Fel­dern voll­zie­hen, ver­än­dern Struk­tu­ren in Wirt­schaft, Poli­tik, Öffent­lich­keit und Fami­lie und betref­fen damit alle gesell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen sowie den ein­zel­nen Men­schen in sei­nen gesam­ten sozia­len Bezü­gen. Im Bereich der Wirt­schaft bewirkt die Digi­ta­li­sie­rung teils erheb­li­che Umwäl­zungs­pro­zes­se und lässt gänz­lich neue Bran­chen ent­ste­hen. Im Bereich der Poli­tik beein­flus­sen neue Optio­nen digi­ta­ler Par­ti­zi­pa­ti­on und Ver­net­zung durch sozia­le Medi­en alle Ebe­nen poli­ti­schen Han­delns. Auch die Öffent­lich­keit erfährt durch neue Zugän­ge zu digi­tal her­ge­stell­ter Öffent­lich­keit einen erheb­li­chen Strukturwandel.

Durch die­se Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­se sieht sich die Gesell­schaft vie­len noch unge­lös­ten Her­aus­for­de­run­gen gegen­über. So sind z.B. digi­ta­le Netz­wer­ke bzw. das Inter­net kei­nes­wegs ega­li­tär – nach wie vor exis­tiert ein digi­ta­ler Gra­ben zwi­schen digi­tal kom­pe­ten­ten und weni­ger kom­pe­ten­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pen, Debat­ten wer­den zudem oft von digi­ta­len Eli­ten bestimmt. Über algo­rith­men­ba­sier­te Tech­no­lo­gien, Big Data und die Domi­nanz eini­ger digi­ta­ler Platt­for­men ent­ste­hen zudem neue gesell­schaft­lich rele­van­te, aber wenig kon­trol­lier­ba­re Struk­tu­ren von Infor­ma­ti­ons- und Wis­sens­ver­mitt­lung. All die­se ver­schie­de­nen Ent­wick­lun­gen ver­wei­sen auf die Aus­bil­dung einer „Digi­ta­len Gesellschaft“.

Bis­her haben die­se Ver­än­de­run­gen und Pro­zes­se vor­ran­gig in den tech­ni­schen Fächern zu inten­si­vier­ter For­schung geführt. Die­sen umfas­sen­den digi­ta­len Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess der Gesell­schaft gilt es jedoch auch aus geistes‑, kul­tur- und sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve zu beglei­ten. Die­ses Ziel ver­fol­gen die bei­den För­der­li­ni­en Gra­du­ier­ten­kol­leg „Digi­ta­le Gesell­schaft“ und „Nach­wuchs­grup­pen Digi­ta­le Gesell­schaft“. The­ma­ti­scher Fokus bei­der Maß­nah­men ist die Digi­ta­li­sie­rung der Gesell­schaft mit beson­de­rem Fokus auf die Stär­kung und Siche­rung der Demokratie.

In dem Panel wer­den aus­ge­wähl­te Ein­zel­pro­jek­te aus bei­den För­der­li­ni­en vorgestellt:

(1) Inzi­vi­li­tät in der poli­ti­schen Online-Kom­mu­ni­ka­ti­on: Typen, Ursa­chen, Wir­kun­gen und Inter­ven­tio­nen (Nico­le Krä­mer, Uni­ver­si­tät Duis­burg-Essen; Ger­hard Vowe, Uni­ver­si­tät Düsseldorf)

(2) Ethik und Ver­ant­wor­tung in der digi­ta­len Gesell­schaft: Daten­prak­ti­ken in Ver­wal­tung und Jour­na­lis­mus (Chris­toph Bie­ber, Uni­ver­si­tät Duis­burg-Essen; Caja Thimm; Uni­ver­si­tät Bonn)

(3) Deli­be­ra­ti­ve Dis­kus­sio­nen im Social Web (DEDIS). Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät und Wir­kung öffent­lich-poli­ti­scher Anschluss­kom­mu­ni­ka­ti­on von Bür­ge­rin­nen und Bür­gern durch Mode­ra­ti­on und Aggre­ga­ti­on (Marc Zie­ge­le, Uni­ver­si­tät Düsseldorf)

(4) Digi­ta­le Par­tei­en­for­schung (DIPART). Par­tei­en im digi­ta­len Wan­del (Isa­bel Borucki; Uni­ver­si­tät Duisburg-Essen)

(5) Demo­kra­ti­sche Resi­li­enz in Zei­ten von Online-Pro­pa­gan­da, Fake News, Fear- und Hate Speech (Demo­RES­IL­di­gi­tal) (Lena Frisch­lich, Uni­ver­si­tät Münster)

(6) Ange­bots- und Publi­kums­frag­men­tie­rung online (Olaf Jand­ura; Uni­ver­si­tät Düsseldorf/Olexiy Kha­by­uk; Hoch­schu­le Düsseldorf)