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Abstract

Lücken, C. F. (2018, 14.11.). Wel­che Gen­res exis­tie­ren online? Ein Kate­go­ri­sie­rungs­ver­such kom­mer­zi­el­ler Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te im Inter­net. Kom­mu­ni­ka­ti­on im Wan­del – eine inter­dis­zi­pli­nä­re Betrach­tung, Gra­du­ier­ten­in­sti­tut für ange­wand­te For­schung der Fach­hoch­schu­len in NRW. HS Düs­sel­dorf. [Tan­dem 1]

Die Ent­wick­lung und zuneh­mend kom­mer­zi­el­le Nut­zung des Inter­nets seit Ende des 20. Jahr­hun­derts hat zu einem fun­da­men­ta­len Wan­del in der Medi­en­land­schaft geführt: In zeit­li­cher Dimen­si­on ist das Inter­net inner­halb kür­zes­ter Zeit zum welt­weit am schnells­ten wach­sen­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz­werk auf­ge­stie­gen (vgl. Meu­le­mann, 2009, S. 5; Lan­ge, 2008, S. 41; Küng, 2001, S. 219) und hat zu einem gänz­lich neu­en Stel­len­wert medi­al ver­mit­tel­ter Inhal­te und Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te in der Gesell­schaft geführt (vgl. Seufert, 2013, S. 7). Die tech­no­lo­gi­schen Rah­men­be­din­gun­gen für Online-Medi­en schaf­fen dabei – fern­ab von eins­ti­gen Publi­ka­ti­ons­zy­klen, linea­rer Pro­gramm­pla­nung und medi­en­spe­zi­fi­scher For­ma­te klas­si­scher Medi­en­gat­tun­gen –  ein dyna­mi­sches Umfeld für neu­ar­ti­ge Inhal­te, Akteu­re und Geschäfts­mo­del­le (vgl. Lan­ge, 2008, S. 180f; Webs­ter, 2011, S. 56; Pagel et. al., 2009, S. 41).
Die ver­än­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen haben durch kon­ti­nu­ier­li­che Diver­si­fi­ka­ti­ons­stra­te­gien eta­blier­ter Akteu­re aus den Off­line-Medi­en und den Markt­ein­tritt zusätz­li­cher Online-Akteu­re zu ver­än­der­ten Markt­struk­tu­ren geführt. Die auf Ange­bots­ebe­ne damit ver­bun­de­ne mög­li­che Aus­wei­tung und Aus­dif­fe­ren­zie­rung der Medi­en­an­ge­bo­te wird im Rah­men der Frag­men­tie­rungs­for­schung betrach­tet und dabei in ihrer gesell­schaft­li­chen (Aus-)Wirkung in Tei­len kri­tisch bewer­tet (vgl. Seufert, 2012, S. 146; Lucht 2006, S. 251; 255): So wird im Zusam­men­spiel mit einer ver­stärkt indi­vi­dua­li­sier­ten, sich nicht über­schnei­den­den Medi­en­nut­zung die inte­gra­ti­ve Funk­ti­on der Medi­en als wesent­li­che Grund­la­ge des demo­kra­ti­schen Dis­kur­ses als gefähr­det ange­se­hen (vgl. Lan­ge, 2008, S. 91; Stark, 2013, S.199f; Katz, 1996).
Den Fokus auf die vor­han­de­ne Markt­struk­tur als Aus­gangs­punkt der Frag­men­tie­rungs­de­bat­te gerich­tet, ist im Kon­text der zunächst men­gen­mä­ßi­gen Aus­wei­tung der Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te frag­lich, inwie­weit sich dar­aus eben­falls eine Aus­dif­fe­ren­zie­rung der The­men im Ver­gleich zu eta­blier­ten Ger­ne-Defi­ni­tio­nen ergibt. In einem zwei­stu­fi­gen Vor­ge­hen soll daher zunächst mit­tels induk­ti­ver Clus­ter­bil­dung auf Ebe­ne der Inter­net­sei­ten und deren Ange­bots­na­men als Unter­su­chungs­ein­heit eine ers­te Struk­tu­rie­rung der kom­mer­zi­el­len Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te online nach The­men­ge­bie­ten vor­ge­nom­men wer­den. Die Daten­ba­sis bil­den dabei die im Rah­men der umfas­sen­den MA Inter­me­dia Plus zur Zuwen­dung zu Online­an­ge­bo­ten jähr­lich erho­be­nen kom­mer­zi­el­len Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te in Deutsch­land. Dabei wer­den jähr­lich mehr als 730 kom­mer­zi­el­le Online-Ange­bo­te erfasst. Für den Zeit­raum von 2014 bis ggf. 2016 kann auf Basis der erho­be­nen Benen­nung der jewei­li­gen Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te (die dem Namen der Inter­net­sei­te ent­spricht) das induk­ti­ve, daten­ge­trie­be­ne Vor­ge­hen erfol­gen. Der For­schungs­an­satz basiert auf der Annah­me, dass die Medi­en­an­bie­ter ihre Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te mög­lichst intui­tiv nach­voll­zieh­bar benen­nen, um nicht nur dem Nut­zer größt­mög­li­che Trans­pa­renz über die Inhal­te zu bie­ten, son­dern eben­falls such­ma­schi­nen­op­ti­miert zu agie­ren. Zusätz­lich kön­nen im zwei­ten Schritt aus den gebil­de­ten Clus­tern durch eine deduk­ti­ve Zuord­nung zu bestehen­den Gen­re­ty­pen bzw. The­me­na­gen­den aus dem Off­line-Bereich Erkennt­nis­se über die Aus­dif­fe­ren­zie­rung der Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te online gesam­melt wer­den: So kön­nen zunächst Erkennt­nis­se über die vor­han­de­ne the­ma­ti­sche Aus­rich­tung der Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te gewon­nen und damit ein ganz­heit­li­cher Über­blick über die The­men­re­prä­sen­tanz in ihrer Brei­te und Häu­fig­keit gege­ben wer­den. Durch den Ver­such der Zuord­nung zu bereits eta­blier­ten Gen­res sol­len zudem Ähn­lich­kei­ten und Unter­schie­de in der The­men­re­prä­sen­tanz offen­ge­legt wer­den. Die Ergeb­nis­se kön­nen somit mög­li­cher­wei­se als ein Indi­ka­tor für eine the­ma­tisch zuneh­mend diver­si­fi­zier­te Struk­tur kom­mer­zi­el­ler Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te dienen.