Geför­dert durch:

Nachwuchsforschungsgruppe 3:

DIPART

Digi­ta­le Par­tei­en­for­schung. Par­tei­en im digi­ta­len Wan­del
Das Ziel von DIPART ist die digi­ta­le Erschlie­ßung der Par­tei­en­for­schung. Es wird ein Ver­ständ­nis für den digi­ta­len Wan­del von Par­tei­en in Deutsch­land ent­wi­ckelt und Gestal­tungs­wis­sen für die Rol­le von Par­tei­en bei der Stär­kung und Siche­rung der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie gene­riert. Das bedeu­tet einen zwei­fa­chen Zugang: einer­seits wer­den Wan­del­pro­zes­se von Par­tei­en erst­mals nicht nur auf­grund von Dea­lign­ment oder inhalt­li­chen Ent­frem­dungs­pro­zes­sen und exter­nen Schocks kon­zep­tua­li­siert, son­dern die Digi­ta­li­sie­rung des Par­tei­en­sys­tems wird als aus­schlag­ge­bend für Ver­än­de­rungs- und Reform­im­pul­se in Par­tei­en unter­sucht. Ande­rer­seits die­nen digi­ta­le Metho­den und Ana­ly­se­instru­men­te der tief­grei­fen­den Erschlie­ßung des zugrun­de­lie­gen­den Mate­ri­als. Bei­de Per­spek­ti­ven eint das Inter­es­se an Pro­zes­sen und Abläu­fen im Hin­blick auf das Funk­tio­nie­ren von Orga­ni­sa­tio­nen. Hier­zu ver­knüpft DIPART die poli­tik­wis­sen­schaft­li­che Par­tei­en­in­sti­tu­tio­na­li­sie­rungs­for­schung mit der sozio­lo­gisch-ori­en­tier­ten Parteienforschung.

Des­halb fragt das Pro­jekt nach den Ver­än­de­run­gen von Par­tei­en in ihrer orga­ni­sa­tio­na­len, funk­tio­na­len und pro­zes­sua­len Form durch die digi­ta­le Gesell­schaft und will auf­zei­gen, wie Par­tei­en die poli­ti­sche Kul­tur und Ent­schei­dungs­struk­tur von Demo­kra­tien beein­flus­sen und inwie­fern sie zur Stär­kung und Siche­rung von Demo­kra­tie ein­tre­ten können.

Die drei Teil­un­ter­su­chun­gen des Pro­jekts glie­dern sich nach der orga­ni­sa­to­ri­schen, kom­mu­ni­ka­ti­ven und par­ti­zi­pa­ti­ven Dimen­si­on. Digi­ta­li­sie­rung als metho­di­sches Para­dig­ma ver­bin­det die inhalt­li­chen Teil­pro­jek­te, indem digi­ta­le Erhe­bungs- und Ana­ly­se­ver­fah­ren (machi­ne lear­ningtext mining, sozia­le Netz­werk­ana­ly­se) als trans­dis­zi­pli­nä­rer Werk­zeug­kas­ten der Par­tei­en­for­schung auf­ge­baut werden.

Wenn Par­tei­en in der digi­ta­len Gesell­schaft als grund­sätz­lich eher trä­ge Orga­ni­sa­tio­nen wei­ter­be­stehen wol­len, sind sie zu Ver­än­de­run­gen gezwun­gen. Das ist der Fall, weil durch den Wan­del des gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Umfelds von Par­tei­en sowohl der Druck von außen durch die Wäh­ler, als auch der Druck von innen durch die Mit­glie­der stär­ker wird. Dies ist ins­be­son­de­re ange­sichts popu­lis­ti­scher Par­tei­en und Bewe­gun­gen viru­lent, die im Modus ihrer jewei­li­gen Ent­ste­hung die digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Orga­ni­sa­ti­ons­wei­sen (etwa AfD oder PEGIDA) inte­grie­ren. Die über­ge­ord­ne­te Fra­ge­stel­lung des Pro­jekts lau­tet des­halb in his­to­ri­scher Per­spek­ti­ve par­tei­en­ver­glei­chend für den deut­schen Fall und die im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en seit den 1970er Jah­ren: Trans­for­mie­ren Par­tei­en ihre orga­ni­sa­tio­na­le, funk­tio­na­le und pro­zes­sua­le Form in einer digi­ta­len Gesell­schaft? Wel­che Grün­de lie­gen dafür in der digi­ta­len Gesell­schaft? Damit lässt sich zei­gen, wie Par­tei­en die poli­ti­sche Kul­tur und Ent­schei­dungs­struk­tur von Demo­kra­tien beein­flus­sen und inwie­fern sie zur Stär­kung und Siche­rung von Demo­kra­tie ein­tre­ten kön­nen. In die­ser Hin­sicht über­prüft das Pro­jekt, ob wir es bereits mit einer Par­tei­en­herr­schaft oder gar ‑domi­nanz zu tun haben, die ande­re gesell­schaft­li­che Stim­men über­deckt, statt sie auf­zu­neh­men oder ob Par­tei­en lang­fris­tig gegen den digi­ta­len Sturm ankämp­fen und ohne orga­ni­sa­tio­na­le und funk­tio­na­le Reor­ga­ni­sa­ti­on in ihrer bis­he­ri­gen Form nicht über­le­ben wer­den. Das Ziel des pro­jek­tier­ten For­schungs­vor­ha­bens ist die digi­ta­le Erschlie­ßung der Par­tei­en­for­schung. Es wird ein Ver­ständ­nis für den digi­ta­len Wan­del von Par­tei­en in Deutsch­land ent­wi­ckelt und Gestal­tungs­wis­sen für die Rol­le von Par­tei­en bei der Stär­kung und Siche­rung der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie gene­riert. Das bedeu­tet einen zwei­fa­chen Zugang zu die­sem Feld: einer­seits wer­den Wan­del­pro­zes­se von Par­tei­en erst­mals nicht nur auf­grund von Dea­lign­ment oder inhalt­li­chen Ent­frem­dungs­pro­zes­sen und exter­nen Schocks und Kri­sen kon­zep­tua­li­siert, son­dern die Digi­ta­li­sie­rung des Par­tei­en­sys­tems wird als aus­schlag­ge­bend für Ver­än­de­rungs- und Reform­im­pul­se in Par­tei­en unter­sucht. Ande­rer­seits die­nen digi­ta­le Metho­den und Ana­ly­se­instru­men­te der tief­grei­fen­den und umfas­sen­den Erschlie­ßung des zugrun­de­lie­gen­den Mate­ri­als. Bei­de Per­spek­ti­ven eint das Inter­es­se an Pro­zes­sen und Abläu­fen im Hin­blick auf das Funk­tio­nie­ren von Orga­ni­sa­tio­nen. Hier­zu ver­knüpft DIPART die poli­tik­wis­sen­schaft­li­che Par­tei­en­in­sti­tu­tio­na­li­sie­rungs­for­schung mit der sozio­lo­gisch-ori­en­tier­ten Parteienforschung.

Die zen­tra­le Fra­ge­stel­lung wird in drei Dimen­sio­nen, der orga­ni­sa­tio­na­len, kom­mu­ni­ka­ti­ven und par­ti­zi­pa­ti­ven erör­tert und von den Pro­jekt­mit­ar­bei­tern bear­bei­tet. Hier­zu ist das Pro­jekt in ins­ge­samt drei Teil­stu­di­en unter­teilt, die ers­ten bei­den bil­den die genann­ten drei inhalt­li­chen Dimen­sio­nen ab, wäh­rend die drit­te Teil­stu­die die über­grei­fen­de metho­di­sche Klam­mer aller Pro­jek­te bil­det. Die ers­te Teil­stu­die begreift Digi­ta­li­sie­rung als Momen­tum für den Orga­ni­sa­ti­ons­wan­del von Par­tei­en und zugleich als Chan­ce, die Trans­for­ma­ti­on der Gesell­schaft durch Par­ti­zi­pa­ti­on aktiv mit­zu­ge­stal­ten. Des­halb fokus­siert die­se Stu­die auf die par­tei­in­ter­ne Sei­te digi­ta­ler Trans­for­ma­ti­on. Zäsu­ren in der Orga­ni­sa­ti­ons­wei­se von Par­tei­en wer­den his­to­risch ana­ly­siert, da ohne eine adäqua­te Vor­stel­lung davon, was ‚vor der Digi­ta­li­sie­rung’ in Par­tei­en üblich war, kein Ver­gleich sys­te­ma­tisch und zuver­läs­sig anzu­stel­len ist. Das Teil­pro­jekt spürt dem orga­ni­sa­tio­na­len Wan­del ver­schie­de­ner jun­ger und alter Par­tei­en an Fall­bei­spie­len in Deutsch­land nach (CDU, SPD, Grü­ne, AfD) und erschließt dabei zugrun­de­lie­gen­de Infor­ma­ti­ons­flüs­se und Wan­del deter­mi­nie­ren­de par­tei­in­ter­ne Netz­werk­struk­tu­ren. Die­ses Teil­pro­jekt ver­steht sich zugleich als rah­mend und über­grei­fend für die ande­ren Studien.

Die zwei­te Teil­un­ter­su­chung besteht aus zwei Pro­mo­tio­nen – einer zur Qua­li­tät digi­ta­ler Dis­kur­se und mit­hin zur kom­mu­ni­ka­ti­ven Inter­ak­ti­on von Par­tei­en mit ihren Ziel­grup­pen und der ande­ren zur digi­ta­len Mobi­li­sie­rungs­kraft für Par­tei­en über digi­ta­le Mit­tel. Bei­de Unter­su­chun­gen eint die Per­spek­ti­ve auf Digi­ta­li­sie­rung als Trei­ber für poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on und Umwelt­fak­tor für Par­tei­en. Bei­de Dis­ser­ta­tio­nen und Per­spek­ti­ven haben Schnitt­men­gen zu ande­ren Fach­tei­len und Dis­zi­pli­nen, etwa zu Poli­cy­for­schung, Demo­kra­tie­mes­sung, kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­li­chen Metho­den sowie Ver­fah­ren der Diskursforschung.

Ver­klam­mert wer­den alle Stu­di­en durch einen metho­di­schen Schwer­punkt, den die drit­te Teil­un­ter­su­chung mit­tels digi­ta­ler Metho­den bil­det. Digi­ta­li­sie­rung als metho­di­sches Para­dig­ma bil­det die Ver­bin­dung zwi­schen den inhalt­li­chen Teil­pro­jek­ten, indem digi­ta­le Erhe­bungs- und Ana­ly­se­ver­fah­ren (machi­ne lear­ning, Big Data, text mining, sozia­le Netz­werk­ana­ly­se) als inno­va­ti­ver trans­dis­zi­pli­nä­rer Werk­zeug­kas­ten der Par­tei­en­for­schung auf­ge­baut wer­den. Gemein­sam mit Kol­le­gen aus Infor­ma­tik und Digi­tal Huma­nities erschlie­ßen alle Pro­jekt­mit­glie­der tri­an­gu­la­tiv und kom­bi­na­to­risch die gemein­sam gebil­de­ten Text­kor­po­ra, Dis­kurs­struk­tu­ren sowie Par­tei­en­netz­wer­ke. Eine Ver­bin­dung von klas­si­scher Doku­men­ten­ana­ly­se und Inhalts­ana­ly­se mit sozia­ler Netz­werk­ana­ly­se führt zur Erwei­te­rung des Arbeits­spek­trums für die Par­tei­en­for­schung. Dies ist beson­ders inno­va­tiv, weil die Par­tei­en­for­schung die Netz­werk­ana­ly­se bis­her wei­test­ge­hend aus­ge­blen­det hat. Dabei eig­net sich die­ses For­schungs­pa­ra­dig­ma beson­ders, um weni­ger zugäng­li­che For­schungs­ob­jek­te wie Par­tei­en zu erschlie­ßen. Exper­ten­in­ter­views und Gesprä­che, die der ver­tief­ten Erkennt­nis­pro­duk­ti­on die­nen, soll dies jedoch nicht erset­zen. Eine wei­te­re Per­spek­ti­ve und womög­lich eine ergän­zen­de Anschau­ung kann dadurch aber erzielt werden.

Meilensteine
  • 2018: Inhalt­li­cher Work­shop zum theo­re­ti­schen Kon­zept,
    Work­shop zu Daten­ma­nage­ment und Metho­den der Ver­glei­chen­den Poli­tik­wis­sen­schaft.
    Ein­la­dung eines exter­nen Fel­lows zu Rechts­grund­la­gen und Kon­sti­tu­tio­na­li­sie­rung von Parteien.
  • 2019: Tagung mit dem Titel „Par­tei­en im digi­ta­len Wan­del“ mit Par­tei­en- und Inter­net­for­schern.
    Ein­la­dung eines exter­nen Fel­lows zu sta­tis­tisch-mathe­ma­ti­schen Ver­fah­ren in der Par­tei­en­for­schung mit SNA.
  • 2020: Zwi­schen­eva­lua­ti­on mit Prä­sen­ta­ti­on ers­ter Pro­jekt­er­geb­nis­se und Test des bis­he­ri­gen Daten­kor­pus sowie Theo­rier­as­ters
    Abschluss der ers­ten Dis­ser­ta­ti­on
    Beginn der zwei­ten Dissertation
  • 2021: Publi­ka­ti­ons­vor­be­rei­tun­gen aus Teil­stu­die 1 und 2
    Publi­ka­tio­nen lie­gen vor
    Über­füh­rung der Daten in Daten­ar­chi­ve, Vir­tu­al Lan­guage Observatory
  • 2022: Abschluss­ta­gung mit Bericht zu Prok­jekt­er­geb­nis­sen
    Abschluss der zwei­ten Dis­ser­ta­ti­on
    Daten gesi­chert und zur Nach­nut­zung bereitgestellt
Pro­jekt-Web­site

Beteiligte Hochschulen

Projektbeteiligte

Nach­wuchs­grup­pen­lei­tung

Ver­ant­wort­li­che Professur

Ver­ant­wort­li­che Professur

Stine Ziegler, M.A.

Mit­ar­bei­te­rin
stine.ziegler@uni-due.de

Mit­ar­bei­ter