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Promotionstandem 2:

Ethik und Verantwortung in der digitalen Gesellschaft: Datenpraktiken in Verwaltung und Journalismus

Die star­ken Ver­än­de­run­gen in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­lo­gik moder­ner Gesell­schaf­ten durch digi­ta­le Platt­for­men haben zu einer hohen Erwar­tungs­hal­tung an das Inter­net als Raum frei­er Dis­kur­se, glo­ba­ler Infor­ma­ti­ons­zu­gän­ge und unzen­sier­ter Mei­nungs­frei­heit geführt (Dah­l­gren 2009). Aber der Umgang mit den im Netz gene­rier­ten Daten und Inhal­ten hat sich als äußerst bri­sant her­aus­ge­stellt. Dis­ku­tiert wer­den u.a. eine digi­ta­le Per­spek­ti­ve auf Pri­vat­heit, das Recht auf Daten­be­sitz oder auch die Ver­ant­wor­tung der Platt­for­men als qua­si-öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­räu­me. Ins­be­son­de­re die sozia­len Medi­en wie Face­book, Twit­ter oder You­Tube ver­spra­chen eine völ­li­ge Frei­heit der per­sön­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on. Es brauch­te mas­si­ve Hate Speech-Atta­cken, die Ver­brei­tung von ‚Fake News‘ und ver­ba­len Ras­sis­mus im Netz, um deut­lich zu machen, wie stark das Inter­net gesell­schaft­li­che Dis­kurs­kul­tu­ren – und damit auch poli­ti­sche Kul­tur – bestim­men kann. Auch staat­li­che Instan­zen sehen sich inzwi­schen genö­tigt, Ethi­ken und Nor­men, die im real­welt­li­chen Umgang gel­ten, über Tele­me­di­en- oder Trans­pa­renz­ge­set­ze eta­bliert sind, im Netz zu ver­tei­di­gen. Die­se Ent­wick­lun­gen ver­deut­li­chen, dass der Her­aus­bil­dung einer ‚digi­ta­len Wer­te­ord­nung‘, die die Fun­da­men­te für eine digi­ta­le Gesell­schaft legt, ein hoher Stel­len­wert zuge­wie­sen wer­den kann.

Das Tand­em­pro­jekt setzt sich in die­sem gesell­schafts- und medi­en­po­li­ti­schen Rah­men mit ethi­schen Aspek­ten in Poli­tik und Medi­en aus­ein­an­der, die aus Erhe­bung, Ein­satz, Archi­vie­rung oder Wei­ter­ga­be digi­ta­ler Daten resul­tie­ren. Im Vor­der­grund ste­hen dabei Fra­gen zu neu­en Daten­prak­ti­ken und der damit ver­bun­de­nen Gestal­tung des digi­ta­len Wan­dels in Insti­tu­tio­nen der öffent­li­chen Ver­wal­tung (Teil­pro­jekt Duis­burg-Essen) sowie in jour­na­lis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen (Teil­pro­jekt Bonn). Dabei stellt sich für Jour­na­lis­ten die­se Fra­ge nicht nur im Kon­text ihrer Pro­fes­si­ons­ethik in Bezug auf Quel­len- und Infor­ma­ti­ons­va­li­die­rung, son­dern zuneh­mend auch als Betrof­fe­ne von Hate Speech und als Kura­to­ren digi­ta­ler Dis­kur­se, z.B. bei Leser­kom­men­ta­ren. Kon­zep­tu­ell mit­ein­an­der ver­bun­den sind die Teil­be­rei­che ins­be­son­de­re durch eine nor­ma­ti­ve Aus­rich­tung auf Gemein­wohl und öffent­li­ches Inter­es­se in einer „Gesell­schaft der Daten“ (vgl. Süs­sen­guth 2015).

Für öffent­li­che Ver­wal­tungs­ein­rich­tun­gen gel­ten inzwi­schen Trans­pa­renz­re­geln sowie eine grund­sätz­li­che Pflicht zur Infor­ma­ti­on der Bür­ger, die in eini­gen Bun­des­län­dern auch in soge­nann­ten Trans­pa­renz­ge­set­zen nie­der­ge­legt sind. Im Zuge der Moder­ni­sie­rungs­im­pul­se von New Public Manage­ment, E- und Open Government ent­ste­hen all­mäh­lich neue daten­ba­sier­te Ver­wal­tungs­prak­ti­ken, die orga­ni­sa­ti­ons­in­ter­ne Restruk­tu­rie­run­gen aus­lö­sen, Koope­ra­tio­nen mit pri­va­ten Unter­neh­men umfas­sen, aber auch durch Inter­ak­tio­nen mit Akteu­ren der Zivil­ge­sell­schaft geprägt sind (vgl. Bie­ber 2016, Schü­ne­mann 2012). Im Ver­bund mit einer wach­sen­den Nut­zung digi­ta­ler, ver­netz­ter For­men der Daten­ver­ar­bei­tung ent­ste­hen dar­aus neue Her­aus­for­de­run­gen für die gesetz­lich fest­ge­leg­ten Auf­trä­ge zur Gewähr­leis­tung von Trans­pa­renz und Nach­voll­zieh­bar­keit des Ver­wal­tungs­han­delns sowie den Kon­troll- und Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten für Bür­ger und Öffent­lich­keit (vgl. Geschäfts­stel­le Open.NRW 2017).

Die­ser Bereich ist in aktu­el­len sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen bis­lang nur schwach ver­tre­ten – i.d.R. domi­nie­ren empi­ri­sche Arbei­ten, die Daten­ma­te­ri­al ent­lang ver­schie­de­ner For­ma­te der Online-Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­ord­nen (vgl. die Bei­trä­ge in Schäfer/van Ess 2017 und den Über­blick bei Heesen 2016). Die Dis­kus­si­on ethi­scher Aspek­te der neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­um­ge­bun­gen sowie die Ent­wick­lung nor­ma­ti­ver Per­spek­ti­ven auf digi­ta­le Öffent­lich­kei­ten stel­len bis­lang Desi­de­ra­te dar. Eine wei­te­re Per­spek­ti­ve eröff­net die kon­se­quen­te Anwen­dungs­ori­en­tie­rung der skiz­zier­ten Teil­un­ter­su­chun­gen. Gera­de durch die Fokus­sie­rung auf die kon­kre­ten Daten­prak­ti­ken der Akteu­re in öffent­li­cher Ver­wal­tung und Jour­na­lis­mus geben die Tand­em­pro­jek­te nicht nur wich­ti­ge Impul­se für den aka­de­mi­schen Dis­kurs in Sozi­al- und Medi­en­wis­sen­schaf­ten, son­dern sie lie­fern auch Erkennt­nis­se für Akteu­re der öffent­li­chen Ver­wal­tung und des Jour­na­lis­mus in ihren Rol­len als gemein­wohl­ori­en­tier­te und demo­kra­tie­stär­ken­de Institutionen.

Tandempromotionsprojekte Promotionsprojekt 1:

Pro­mo­ti­ons­pro­jekt 1 unter­sucht kon­kre­te Daten­prak­ti­ken in der öffent­li­chen Ver­wal­tung sowie die vor­ge­la­ger­te und beglei­ten­de daten­ethi­sche Deli­be­ra­ti­on. Dabei wer­den mit­tels der „Data Ethics Decisi­on Aid“ (DEDA) Pro­zes­se ver­wal­tungs­in­ter­ner Sen­si­bi­li­sie­rung für daten­ethi­sche Fra­gen ana­ly­siert. Als metho­di­scher Rah­men bie­tet DEDA betei­lig­ten Daten­ana­lys­ten, Pro­zess- und Pro­jekt­ma­na­gern sowie Ent­schei­dungs­trä­gern die Mög­lich­keit, ethi­sche Pro­ble­me in Daten­pro­jek­ten früh­zei­tig zu erken­nen und zu doku­men­tie­ren. Der durch DEDA koor­di­nier­te Ein­satz von Fra­ge­bö­gen, Ein­zel- und Grup­pen­in­ter­views erlaubt die kom­pa­ra­ti­ve Ana­ly­se von Daten­prak­ti­ken in den Orga­ni­sa­tio­nen. Dies kann die unter­schied­lichs­ten Pro­jek­te inner­halb der kom­mu­na­len Ver­wal­tung oder der Lan­des­ver­wal­tung betref­fen, wie z.B. die Data­fi­zie­rung des öffent­li­chen Rau­mes; die Nut­zung von Daten­ban­ken für sicher­heits­re­le­van­te Aspek­te und „pre­dic­ti­ve poli­cing“. Auf Basis der in meh­re­ren Fall­stu­di­en ana­ly­sier­ten Daten­prak­ti­ken unter­sucht das Teil­pro­jekt inwie­weit eine Ethik ent­wi­ckelt wer­den kann, die den Her­aus­for­de­run­gen einer „data­fi­zier­ten“ und von Algo­rith­men gepräg­ten Gesell­schaft begeg­nen kann, um grund­le­gen­de Wer­te der offe­nen Gesell­schaft zu verteidigen.

Pro­mo­ti­ons­pro­jekt 2:

Pro­mo­ti­ons­pro­jekt 2 befasst sich mit ethi­schen Aspek­ten von Online-Jour­na­lis­mus, ins­be­son­de­re mit jour­na­lis­ti­scher Ethik im Netz und damit mit einem Kern­be­reich demo­kra­ti­scher Wil­lens­bil­dungs­pro­zes­se in der digi­ta­len Gesell­schaft. Im Fokus der Unter­su­chung ste­hen Fra­gen der Gene­rie­rung und Prü­fung von Daten und Quel­len aus dem Inter­net sowie Nut­zer- bzw. Leser­kom­men­ta­re und deren Bedeu­tung für jour­na­lis­ti­sches Selbst­ver­ständ­nis. Zudem wer­den Fra­gen der Ver­wen­dung und Wei­ter­ga­be von Daten, ins­be­son­de­re Bild­ma­te­ri­al, das Ver­hält­nis Leser/Redaktion sowie der zuneh­men­de Ein­fluss von Algo­rith­men auf jour­na­lis­ti­sche Pra­xen und For­men der Bericht­erstat­tung (Daten­jour­na­lis­mus), unter­sucht. Ziel des Pro­jek­tes ist es, Ein­flüs­se der Digi­ta­li­sie­rung auf Jour­na­lis­mus in Bezug auf Hand­lungs­pra­xen, Selbst­ver­ständ­nis und gesell­schaft­li­chen Rol­len­wan­del herauszuarbeiten.

Beteiligte Hochschulen

Projektbeteiligte

Princi­pal Investigator

Princi­pal Investigator

Pro­mo­ven­din

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